Hass von allen Seiten: Gegen jeden Antisemitismus!

Hass von allen Seiten: Gegen jeden Antisemitismus!

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Foto von Paul Benter

Wenn der Hass von allen Seiten kommt: Warum wir keine blinden Flecke dulden dürfen

Hallo zusammen. Die vergangenen Tage waren intensiv, bedrohlich und leider ein bitteres Lehrstück darüber, wie tief Antisemitismus in unserer Gesellschaft verwurzelt ist – und wie er aus völlig unterschiedlichen Richtungen zuschlägt. Viele von euch haben sich gemeldet, mir geschrieben und Solidarität gezeigt. Dafür möchte ich mich von Herzen bedanken.

Für alle, die in den letzten Tagen nicht die Nachrichten verfolgen konnten, möchte ich hier kurz zusammenfassen, was passiert ist, wie die Presse berichtet und warum wir jetzt erst recht laut bleiben müssen.

Was ist passiert? Eine kurze Zusammenfassung

Am vergangenen Montag, dem 31. August, war ich im Wahlkampfeinsatz für Bündnis 90/Die Grünen in Steglitz unterwegs. Vor einem Supermarkt wurde ich von einem Mann in ein politisches Gespräch verwickelt, das schnell in eine plumpe, antisemitische Tirade abrutschte. Als ich ihn bat, das zu unterlassen und offenbarte, dass ich selbst jüdisch bin, eskalierte die Situation. Er beschimpfte mich aufs Übelste („scheiß Jude“, „Dreckspenner“) und versuchte, mir ins Gesicht zu schlagen – er verfehlte mich nur knapp. Die Polizei ermittelt inzwischen wegen Volksverhetzung, Beleidigung und versuchter Körperverletzung.

Doch das war nur der erste Teil des Tages. Wenige Stunden später sprach ich auf einer Kundgebung am Rathaus Steglitz, die sich für Vielfalt und queere Sichtbarkeit einsetzte – eigentlich genau mein Thema. Doch als ich am Ende meiner Rede den Angriff vom Vormittag erwähnte und betonte, dass wir Antisemitismus auch dann bekämpfen müssen, wenn er aus dem linken Spektrum kommt (Stichwort: „Yalla Yalla Intifada“-Rufe in Neukölln), wurde mir durch das Veranstaltungsteam kurzerhand das Mikrofon abgedreht.

Presseschau: Wie die Medien auf den Vorfall blicken

Die Reaktionen in der Presse waren glücklicherweise deutlich und haben gezeigt, dass wir mit dem Problem nicht alleine gelassen werden. Hier ein kurzer Überblick:

  • U.a. Der Tagesspiegel und die Jüdische Allgemeine haben detailliert über die „krass bedrohliche Situation“ am Vormittag berichtet. Sie hoben aber auch den Eklat auf der Demo hervor und zitierten unseren Grünen-Kreisverband völlig treffend: Wer einem Betroffenen antisemitischer Gewalt das Wort entzieht, sobald dieser Antisemitismus im eigenen Umfeld anspricht, macht sich im Kampf gegen Hass und Hetze unglaubwürdig.


  • Die taz lieferte wichtige Hintergründe und machte deutlich, dass der Angreifer aus Steglitz sich offen als AfD-Wähler zu erkennen gab. Der Artikel entlarvte auch die fadenscheinigen Ausreden der Demo-Veranstalter, die behaupteten, ich hätte meine Redezeit überschritten – was Videoaufnahmen meiner Rede glasklar widerlegen.


  • Die Welt griff das Thema auf einer übergeordneten, landespolitischen Ebene auf. Im Interview dort mache ich klar: Der strukturelle und teils verharmloste Antisemitismus im linken Spektrum ist ein massives Problem, das unweigerlich zu einem Macht- und Richtungskampf innerhalb der Linkspartei führen muss und wird.


Mein Statement: Keine Toleranz für Antisemitismus – egal von wem

Ich habe hier auf meinem Blog schon geschrieben: Ich bin Bündnisgrüner und ich bin jüdisch. In der jüdischen Tradition gibt es den Gedanken des Tikkun Olam – die Welt zu reparieren, sie gerechter zu machen. Das bedeutet für mich, dass wir beim Schutz von Minderheiten und beim Verteidigen unserer Demokratie keine Kompromisse machen dürfen.

Die Ereignisse dieses Tages zeigen auf erschreckende Weise die Zange, in der Jüdinnen und Juden in Deutschland derzeit stecken. Auf der einen Seite der offene, gewaltbereite Rechtsextremismus auf der Straße – befeuert von der AfD, deren Anhänger sich mittlerweile völlig ungeniert fühlen. Auf der anderen Seite Teile einer linken Szene, die sich Diversität und Antidiskriminierung auf die Fahnen schreiben, aber beim Thema Judenhass kein Interesse haben, Betroffenen zuzuhören oder gar Selbstkritik zu üben.

Wer glaubt, er könne mich mit Fäusten oder durch das Abdrehen von Mikrofonen mundtot machen, der irrt sich gewaltig. Unsere Demokratie verteidigt sich nicht von selbst. Wenn eine Minderheit gefährdet ist, sind wir es alle. Deshalb werde ich weiter für ein Berlin kämpfen, in dem Diskursräume fair bleiben, in dem Vielfalt gelebt wird und in dem niemand – wirklich niemand – Angst haben muss, seine Identität offen zu zeigen.

Lasst uns weiter füreinander einstehen. Das Gemeinsame über das Trennende stellen. Und Haltung zeigen. Ganz ohne blinde Flecke.

Euer Daniel

V.i.s.d.P. Daniel Eliasson

c/o Bündnis 90 / Die Grünen

Schildhornstraße 91, 12163 Berlin

hallo@daniel-eliasson.de

Hast du noch Fragen an mich? Kann ich dir helfen – oder hast du Lust, mich im Wahlkampf zu unterstützen?